Repair Cafés – Reparieren einfach gemacht

Sie scheinen aus dem Boden zu sprießen und erfreuen sich größer werdender Beliebtheit. Sie trotzen dem Konsumwahn und bringen Leute zusammen. Kaputte Gegenstände werden repariert und die Lebensdauer erhöht! Die Rede ist von den sogenannten Repair Cafés.

Ein Repair Café ist ein Ort – das kann ein reguläres Café, ein Vereinsheim oder eine Garage sein – an dem Treffen stattfinden, mit dem Zweck, kaputte Gegenstände zu reparieren.

Bei diesen Treffen helfen Ehrenamtliche, die Reparaturkenntnisse und -fertigkeiten für verschiedene Bereiche mitbringen, den Gästen ihre Gegenstände zu reparieren. Das benötigte Werkzeug und die notwendigen Materialien befinden sich meistens vor Ort. Die Repair-Treffen finden an bestimmten Terminen, wie zum Beispiel jeden 1. Samstag im Monat, statt. Das unterscheidet sich allerdings je nach Café.  

Die Idee hinter einem Repair Café ist relativ simpel: Hilfe zur Selbsthilfe! Es wird zusammen mit den Ehrenamtlichen repariert. So lernt man etwas dazu und kann im besten Falle beim nächsten Mal ganz alleine reparieren.

Repariert werden alle möglichen Gegenstände – vom kaputten Mixer bis zur Hose mit Loch und vieles mehr. Einzige Regel: Das kaputte Teil muss selbst in die Werkstatt transportiert werden, d.h. Waschmaschinen und Co. fallen hier raus.

Die Cafés haben noch einen weiteren Nutzen: Sie dienen auch als soziale Treffpunkte. Oftmals gibt es während dieser Treffen Kaffee und Kuchen und die Nachbarschaft kann sich besser kennen lernen.  

Die Geschichte des Repair Cafés:

Ein Repair Café in dieser Form wurde erstmals von der Umweltjournalistin Martine Postma im Jahr 2009 in Amsterdam ins Leben gerufen und erwies sich als großer Erfolg. Der Erfolg des Repair Cafés führte dazu, dass Martine die Stiftung “Stichting Repair Café” gründete. Die NGO bietet professionelle Unterstützung bei der Eröffnung des eigenen Repair Cafés in Form von Informationen, Anleitungen und Netzwerken an. Ein ähnliches Netzwerk ist die deutsche Stiftung “anstiftung”, die sich allerdings in einigen wenigen Punkten von der Stichting Repair Café unterscheidet. So können Mitglieder der “anstiftung” die Informationen und das Netzwerk nutzen, ohne das Logo und den Namen der Organisation nutzen zu müssen.

Wie kam es zu der Repair-Bewegung?

In Europa wird unheimlich viel weggeworfen, das ist kein Geheimnis. Von Essen bis zu Kleidung und elektronischen Gegenständen. Einerseits, weil viele Produkte nicht mehr auf eine lange Nutzungsdauer hin ausgerichtet sind sondern günstige Preise im Vordergrund stehen. Dabei büßt die Qualität ein und Produkte gehen schneller kaputt.

Ein weiterer Grund ist, dass kaputtes selber zu reparieren in den letzten Jahrzehnten immer mehr auf der Strecke geblieben ist. Die meisten wissen einfach nicht wie das geht und haben nicht die Zeit und Energie sich damit auseinander zu setzen. Zeit ist Geld und es ist ja oft gar nicht mal so teuer das Kaputte durch Neues zu ersetzen.

Dass die Herstellung von dem “Neuen” Emissionen verursacht und Ressourcen verbraucht, ist logisch, aber in den Köpfen vieler trotzdem nicht präsent.

Um sich dem Konsumwahn entgegen zu stellen und Reparieren wieder in das Gedächtnis der Leute zu rufen, gibt es nun diese Treffen. Mit der Reparatur wird die Lebensdauer der  Gegenstände verlängert und damit kann ordentlich gespart werden. Sowohl Kosten als auch Ressourcen und Emissionen! Und wir lernen wieder, dass reparieren richtig Spaß machen kann!

So die Theorie! Aber wie sieht das in der Praxis aus? Um das Prozedere auch einmal zu durchlaufen, lasse ich es mir nicht nehmen, einem Repair Café selbst einen Besuch abzustatten! Meine Erfahrungen enthalte ich euch natürlich nicht vor: Diese könnt ihr im Folgenden nachlesen.

Erfahrungsbericht Repair Café

Ich gehöre auch zu den Leuten, die ohne fremde Hilfe keinen blassen Schimmer haben, wie sie Dinge reparieren sollen und besonders handwerklich begabt bin ich auch nicht. Für mich und meinen kaputten Mixer scheint ein solches Repair Café perfekt!

Mein MultiQuick 9 Stabmixer MQ 9037X von Braun, der laut Hersteller ein absolutes Wundergerät ist, ist kaputt. Die Klingen des Pürierstabes bewegten sich kaum und das Gerät gibt rasselnde Geräusche von sich. Smoothies zum Frühstück ade! An sich ist das Gerät noch tip top, alle anderen Aufsätze funktionieren wunderbar. Viel zu schade, um ungenutzt in der Ecke zu liegen.

Ich suche also ein Repair Café in der Nähe heraus – mit Berlin als Wohnort, habe ich da eine ganz gute Auswahl – und melde mich dort mit meinem kaputten Mixer an.

  

Bei diesem Repair Café handelt es sich tatsächlich um eine Café. Man kann Kaffee trinken, etwas essen und sich nebenbei unterhalten.

Bei meiner Ankunft sind dort drei Reparier-Experten, die bereit sind, mir mit meinem Mixer zu helfen. Mir hilft vor allem eine älterer Herr, der sichtlich Spaß daran hat zu knobeln. Die Atmosphäre ist entspannt, mit ein paar Handgriffen ist der Mixer wieder hergestellt. Was genau das Problem war bekomme ich auch erklärt. Das Plastikteilchen, welches Pürierstab und den Antrieb zusammenhält und beim Aufsetzen einrastet, hat sich verschoben. Wahrscheinlich weil das Pürieren von gefrorenen Früchten ein zu harter Widerstand für dieses Gerät ist.

Nachdem mein Pürierstab wieder intakt ist und ich mich schon auf den Smoothie am nächsten Morgen freue (dieses mal mit aufgetauten Früchten), unterhalte ich mich mit den dort Arbeitenden.

Jeder der Lust hat und “mit einem Schraubenzieher umgehen kann” darf mitmachen. Der berufliche Hintergrund ist nicht wichtig, vielmehr zählt der Spaß am tüfteln und schrauben. In diesem Café waren z.B. ein Elektroingenieur und zwei Hobbybastler am Werk.

Zu Anfang war der Ansturm groß, wird mir erzählt, denn das Repair Café im MadaMe Café war das Erste in Berlin. Das war vor ca. 6 Jahren. Mittlerweile gibt es viele Repair Cafés in Berlin und auch anderen Städten und der Ansturm verteilt sich.

Hilfe zur Selbsthilfe – Theorie wie auch Praxis? Meiner Erfahrung nach, ja. Jeder soll den Schraubenzieher mal in den Händen halten und drauf los schrauben. Das wird nochmal betont. Manch ein Besucher setzt sich direkt an den Tisch mit Werkzeugen und Materialien, fängt an und meldet sich erst wieder, wenn er nicht mehr weiter kommt. Eine Garantie, dass Dinge hier repariert werden können und auch halten, kann nicht gegeben werden. Dass hat auch schon manch Einen wieder umkehren lassen. Problematisch ist, dass viele Geräte mittlerweile nicht mehr so gebaut werden, dass sie auseinander genommen und wieder zusammengeschraubt werden können. Sie  werden verklebt und sollen nur einmal zusammengesetzt und nicht wieder auseinander gebaut werden. Das macht den Reparateuren manchmal das Leben schwer.

Das kommt besonders bei elektronischen Küchengeräten vor. Das sind auch die Produkte, zusammen mit Stehlampen, die am meisten in das Repair Café gebracht werden.

Wie bereits erwähnt, ist das Repair Café ist nicht nur Reparatur-Treff sondern auch “Katalysator” dafür, dass alle möglichen Leute zusammen kommen. Ein Kiez-Treff damit die Nachbarschaft und sich Leute aus unterschiedlichen sozialen Kreisen kennen lernen. Dieser Aspekt ist in der Praxis genauso wichtig wie die Reparatur an sich. Manche kommen auch oft, sind sozusagen “Stammkunden”. Im Gespräch wird nochmal hervorgehoben, dass das Café auch dazu führen soll, Rentner mit ihrem Wissen und Fähigkeiten einzubinden. So soll der Vereinsamung von Menschen im Alter entgegen gearbeitet werden.

Die Besucher reparieren aus kosten- und ökologischen Gründen aber auch aus Nostalgie heraus. Einige Produkte sind mit Erinnerungen verbunden und die Besitzer möchten diese solange wie möglich erhalten. Es gibt viele Gründe und sie alle kommen hier zusammen. Elektroingenieur arbeitet Seite an Seite mit dem Hobby Bastler in Rente. Die Dame, die seit 20 Jahren im Kiez wohnt, kommt mit ihrer kaputten Küchenmaschine sowie der Student, der gerade erst hergezogen ist, mit seinem alten Gameboy.

Eine Idee, deren Theorie auch in der Umsetzung super klappt!

Hast du auch etwas, was du gerne reparieren würdest und würdest gerne mehr Kontakt zu den Leuten aus deiner Nachbarschaft haben? Repair Cafés findest du entweder ganz einfach über:

https://repairCafé.org/de/besuchen/

https://www.reparatur-initiativen.de/

oder per Google mit repair Café + deine stadt

Ich Danke den Mitarbeitern von dem Repair Café im MadaMe in Berlin-Kreuzberg für die Hilfe bei meinem Mixer und das Gespräch.

 

Quellen:

https://www.reparatur-initiativen.de/seite/ueber-uns

https://kunst-stoffe-berlin.de/repair-Café-kreuzberg/

https://repairCafé.org/de/uber/

https://utopia.de/ratgeber/repair-Cafés-wegwefen-denkste/

https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/elektrogeraete-werden-immer-kuerzer-genutzt

https://utopia.de/ratgeber/geplante-obsoleszenz/

 

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