Geplante Obsoleszenz – Wie könnt ihr diese Produkte umgehen

Geschrieben von Miriam

Omas Mixer funktioniert noch immer einwandfrei und der eigene, den man vor gar nicht allzu langer Zeit gekauft hat, gibt schon den Geist auf. Wie kann das sein? War früher prinzipiell einfach alles besser oder steckt dahinter Methode?


So oder so ähnlich beginnen viele Artikel, die sich mit dem Thema geplante Obsoleszenz auseinandersetzen. Zu Recht, denn so beginnt auch der Prozess vieler Verbraucher, ihre Produkte und deren Lebensdauer und infolgedessen deren Hersteller in Frage zu stellen.

Die Fragenden landen letztendlich bei dem Begriff “geplante Obsoleszenz”, denn dieser  ist in aller Munde und wird breit in der Öffentlichkeit diskutiert.

In diesem Artikel möchte ich euch eine kleine Einführung zu diesem Thema geben, zwei verschiedene Seiten dieser Debatte darstellen und eine praktische Checkliste mit ein paar Tipps zusammenstellen, die wir alle ganz einfach bei unserem nächsten Kauf anwenden können.

Aber zuerst einmal sollten wir die allgemeinen Begrifflichkeiten klären. Was genau bedeutet (geplante) Obsoleszenz eigentlich?

 

Bedeutung Obsoleszenz

Bei Obsoleszenz handelt es sich um den natürlichen oder künstlich herbeigeführten Alterungsprozess eines Gebrauchsgegenstandes. Diese Alterung unterliegt vier verschiedenen Ursachen:

Folglich kann das Produkt nicht mehr genutzt werden.

 

Geplante Obsoleszenz

Bei der geplanten Obsoleszenz ist in diesem Kontext eine absichtliche Verkürzung der Lebensdauer seitens der Hersteller gemeint. Unterstellt wird also eine beabsichtigte Herbeiführung der verschiedenen Formen des Alterns. Das soll dazu führen, dass die Verbraucher schneller ein neues Produkt kaufen. In der Debatte wird angenommen, dass die Hersteller diese Obsoleszenz so geplant haben, dass sie erst nach Ablauf der Garantie eintritt.

 

Die Glühbirnen-Geschichte

Im Rahmen der Obsoleszenz Debatte wird die Geschichte der “ewigen Glühbirne” oftmals angeführt und darf hier natürlich nicht fehlen. Diese berühmte Glühbirne, wurde um 1900 entwickelt und brennt seit über 100 Jahren in einer Feuerwehrwache in der Nähe von San Francisco. In den 1920er Jahre haben sich dann große Hersteller zu einem Glühbirnen Kartell zusammengeschlossen und die Laufzeit einer solcher Glühbirne auf 1000 Stunden reduziert. Unternehmen, deren Glühbirnen länger hielten mussten hohe Geldstrafen zahlen.  Durch die kürzere Lebensdauer wurde die Nachfrage neuer Produkte angekurbelt und die Hersteller rieben sich die Hände. Dieses Kartell wurde im Jahre 1942 entlarvt und aufgelöst. Gerüchten zufolge soll es dennoch nach wie vor existieren. Denn eine Glühbirne hält noch immer ca. 1000 Stunden…

 

Zurück zur Gegenwart

Soll ein Defekt eines Produktes unter geplante Obsoleszenz fallen, müsste laut Theorie ein Ablaufdatum, wie z.B. bei Lebensmitteln das Mindesthaltbarkeitsdatum, vorab festgelegt sein. Der Hersteller müsste diese Schwachstelle also arglistig geplant haben. Aber wie kann das bewiesen werden? Das ist so ziemlich der Knackpunkt bei dieser Debatte. Ein genau festgelegtes Datum, an dem Mixer und Co. den Geist aufgeben, gibt es nicht. Bedeutet das nun, dass es auch geplante Obsoleszenz nicht gibt?

Durch bestimmte Produktkriterien kann trotzdem aufgezeigt werden, dass einige Hersteller gegen lange Produkt-Nutzungsdauer arbeiten. Wäre das im Umkehrschluss auch geplante Obsoleszenz? Es muss doch einen Grund dafür geben, dass Omas Mixer noch immer funktioniert und der eigene nach kurzer Zeit unter Elektroschrott fällt.

Heutzutage werden oftmals günstigere Materialien in den Elektrogeräte verbaut. Anstatt, dass das Zahnrad wie früher aus Metall ist, ist es nun aus Hartplastik, dass bei der Nutzung viel schneller abreibt und dazu führt, dass der Mixer kaputt geht. Hinzu kommt, dass viele Elektrogeräte mittlerweile so gebaut werden, dass sie nicht mehr auseinander- und anschließend wieder zusammengebaut werden können. Eine Reparatur ist nicht mehr möglich, obwohl eigentlich nur ein Zahnrad ausgetauscht werden müsste. Das ist nur ein Beispiel dafür. Schnell verschleißendes Material und reparaturunfreundliches bzw. boykottierendes Design liegt in der Verantwortung der Hersteller.

Die psychologische Obsoleszenz wird in den Marketingbüros dieser Welt gepflanzt und gedeiht in den Köpfen der Verbraucher und ist so ein Zusammenspiel beider Parteien. Niemand wird gezwungen alle zwei Jahre ein neues Smartphone zu kaufen – dennoch tun es viele. Konstant wird man mit Werbung, Informationen über die neusten Smartphone-Features usw. bombardiert. Diese Form von Obsoleszenz, von den Verbrauchern mit unterstützt, führt auch dazu, dass ein Smartphone nicht unbedingt dafür ausgelegt ist, mehrere Jahre zu halten.

 

Die Henne-Ei-Frage

Viele Verbraucher nehmen die verkürzte Lebensdauer der Produkte in Kauf. Gab es zuerst die Nachfrage oder das Angebot? Was war zuerst da, die Henne oder das Ei?

In der “geplante-Obsoleszenz-Debatte” haftet dem Begriff meist eine negative und “den Unternehmen” gegenüber eine vorwurfsvolle Grundhaltung an.

Dabei muss sich geplante Obsoleszenz nicht per se schlecht  auf die Produktlebensdauer auswirken. Durch die Planung von Obsoleszenzen kann eben genau das Veraltern verzögert werden mittels z.B. Ersatzteilbevorratung und Wartungszyklen. Die Lebensdauer wird so verlängert. Jede Form von Bereitstellung von Ersatzteilen, Software-Support etc. kann als eine Form der geplanten Obsoleszenz und somit als positiv angesehen werden. Ein Beispiel hierfür, wäre der Service von Tesla. Mit Obsoleszenzfällen wird gerechnet und um denen schnell entgegenwirken zu können, hat das Service-Team stets Zugriff auf die Automodelle und kann so sofort reagieren. Ziel ist sogar, dass sich die Autos bis zu einem gewissen Grad irgendwann selber reparieren.

Daraus folgt, dass geplante Obsoleszenz, je nach Hersteller, zu Verkürzung oder Verlängerung der Lebensdauer eines Produktes führt. Dies sollte bei der Betrachtung von geplanter Obsoleszenz im Hinterkopf behalten werden.

Genauso wie, dass die Hersteller sich nicht zwangsweise arglistig für eine Obsoleszenz entscheiden sondern dass sie ihre Priorität beim Produktdesign auf andere Bereiche legen. Wie z.B. Preis und Ästhetik. Zudem gibt es bei bestimmten schnelllebigen Produkten wie z.B. in der Modeindustrie keine Zeit für Produkttests, um deren Langlebigkeit zu testen. Damit priorisieren Hersteller in bestimmten Branchen andere Bereiche vielmehr und gehen Kompromisse hinsichtlich der Langlebigkeit ein.

Rund um diese Debatte gibt es noch viele offene Fragen und die Nachfrage nach günstigen Produkten ist nach wie vor da.

 

Fazit

Die geplante Obsoleszenz Debatte ist wichtig. Es gibt einige Beispiele, die beweisen, dass da etwas nicht richtig läuft und gemurkst wird. Das sollte beobachtet, angegangen und die Hersteller zur Rechenschaft gezogen werden. Auch die Forderung nach mehr Transparenz für die Verbraucher ist ein logischer Ansatz. So kann jeder, basierend auf Informationen entscheiden und nicht aufgrund von Unwissenheit in die Irre geführt werden.

Aber es Bedarf ebenfalls einer Veränderung im Verhalten der Konsumenten. Studien belegen, dass oftmals die Verbraucher selbst, aufgrund des Wunsches nach neuen Funktionen, Produkte auswechseln, obwohl diese noch einwandfrei funktionieren. Am Ende sind es auch wir, die mit unseren Käufen bestimmen, welche Produkte und Unternehmen wir unterstützen.

 

Wie könnt ihr diese Produkte umgehen

Im folgenden findet ihr Tipps, wie ihr Produkte mit kurzer Nutzungsdauer umgehen könnt:

1. Darauf achten, dass die Geräte reparaturfähig sind.

  • Haben die Gehäuse Schrauben, sodass das Gehäuse aufschraubbar ist?

Sind sie verklebt ist das kein gutes Zeichen.

  • Geräte vermeiden, die nur mit Spezialwerkzeug zu öffnen sind.
  • Ist der Akku austauschbar?

2. Simples Design.

  • Unnötige Extra Features vermeiden, da diese nur eine weitere Reparatur Quelle sein könnten.

3. Vor dem Kauf Testergebnisse oder Bewertungen recherchieren.

  • z.B. Stiftung Warentest oder Kundenbewertungen bei Amazon.

4. Schon beim Kauf nach der Verfügbarkeit von Ersatzteilen fragen.

5. Über professionelle Arbeitsgeräte nachdenken.

  • Bei manchen Geräten gibt es eine Business Variante. Das sind Arbeitsgeräte, die stabiler gebaut und für eine hohe Nutzungsdauer ausgelegt sind. Diese lassen sich häufig einfacher reparieren und werden besser mit Ersatzteilen versorgt. Sie sind meistens etwas teurer aber für eine lange Nutzung lohnt sich die Investition.

6. Falls das Gerät schon kaputt, ist gibt es viele Varianten wie man versuchen kann, diese zu reparieren.

  • Repair Cafes
  • Youtube Videos
  • Falls man noch innerhalb der Garantiezeit ist, Produkt definitiv zurückgeben. Desto mehr Geräte zurückgegeben werden, desto eher wird der Hersteller etwas bezüglich der Qualität tun

 

Quellen:

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geplanter-verschleiss-von-produkten-ploetzlicher-tod-der-gluehbirne-1.1660236

Die zwei Seiten der geplanten Obsoleszenz

Die „Theorie“ geplanter Obsoleszenz als Sackgasse?

https://www.umweltbundesamt.de/service/audio/was-ist-obsoleszenz

https://www.bundestag.de/blob/422156/d95dc2865805a1daf223b3ca3289c8ef/fragen-und-antworten-zu-obsoleszenz-data.pdf

https://www.ardmediathek.de/tv/Planet-Wissen/Geplante-Obsoleszenz-wenn-Ger%C3%A4te-mit-A/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=12994052&documentId=34992064

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geplanter-verschleiss-von-produkten-ploetzlicher-tod-der-gluehbirne-1.1660236

Bilderquellen unbekannt.

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