Basilikum aus der (Sci-Fi) Vertical Farm

geschrieben von Miriam

Ich geh in einen beliebigen Edeka-Laden und inmitten der Gemüse- und Obstabteilung steht ein Kasten mit pinkfarbenen Licht. Darin wachsen Kräuter und Salat, ich habe die Wahl: Entweder Basilikum aus dem Regal, mit einer Plastikfolie umhüllt, so wie ich ihn kenne oder ein Basilikum aus diesem flimmernden Kasten. “Lets be crazy”, denke ich und nehme ihn mit – den Sci-Fi-Basilikum aus dem pinken Licht!

So stieß ich auf ein Unternehmen, dass Lebensmittel mit Vertical Farming produziert. Aber was ist das eigentlich? Neben Super Foods, Urban Gardening und Vertical Farming kann man schon leicht mal den Überblick verlieren. Sie schleichen sich einfach so in mein Leben und ich habe keine Ahnung wo das Zeug eigentlich herkommt. Fast wie von einem anderen Planeten und irgendwie stimmt das auch ein bisschen, denn das Sci-Fi-Basilikum könnte überall wachsen.

Damit ihr bei eurem nächsten Einkauf nicht ratlos vor einer pinken Flimmerkiste steht, könnt ihr hier nachlesen, was Vertical Farming überhaupt ist und wie es funktioniert.

Vertical Farming – Was ist das überhaupt?
Seit ein paar Jahren ist Vertical Farming immer präsenter und könnte schon bald auch in einem Supermarkt in Deiner Nähe zu finden sein. Das ist nicht verwunderlich, denn diese Art der Nahrungserzeugung könnte eine Antwort auf Probleme und Fragen unserer Zeit sein.

Aber was ist Vertical Farming? Vertical Farming bedeutet zunächst, dass der Anbau, in mehreren, übereinanderliegenden Ebenen, also vertikal, stattfindet. Es wird in die Höhe gebaut, anstatt, wie in der traditionellen Landwirtschaft, horizontal. Vertical Farming findet an Häusern oder Indoor, d.h. innerhalb eines Gebäudes, statt. Bei Indoor Vertical Farming ist der Anbau unabhängig von den klimatischen Bedingungen vor Ort. Es werden in der Regel verschiedene Methoden der Pflanzenzucht angewendet, die keine Erde benötigen und mit künstlichem LED-Licht funktionieren und deshalb ohne Sonnenlicht auskommen.

Im Vergleich zur Pflanzenzucht im traditionellen Gewächshaus: Dort kann zwar auch unabhängig von den Temperaturbedingungen vor Ort angebaut werden, allerdings werden Pflanzen wie in der herkömmlichen Landwirtschaft horizontal und mit Erde angebaut. Außerdem benötigen sie Sonnenlicht.

Funktionsweise
In den meisten Fällen wird bei Vertical Farming Hydroponik genutzt. Hydroponik ist eine Art des Anbaus, bei der keine Erde benötigt wird. Die Wurzeln befinden sich zum Teil in einer Wasser-Nährstofflösung und zum Teil in der Luft. Dabei wird mit unterschiedlichen Methoden gearbeitet. Wie z.B. mit einem Wasserkreislauf (Nutrient Film Technique) oder Ebbe-Flut-System (Deep Water Culture), bei denen die Wurzeln in regelmäßigen Abständen gänzlich in eine Wasser-Nährstofflösung eintauchen. In anderen Systemen werden die Pflanzen mit der Lösung bestäubt (Aeroponics). LED-Lampen ersetzen das Sonnenlicht. Die Temperatur und Luftfeuchtigkeit innerhalb des Systems werden ebenfalls kontrolliert und reguliert, um die perfekten Bedingungen für das Wachstum der Pflanzen zu schaffen.

 

Ebbe-Flut-System

Eigene Darstellung

 

Wasserkreislauf

Eigene Darstellung

 

Aeroponics
Eigene Darstellung

 

Warum sollte man Pflanzen außerhalb ihres natürlichen Lebensraumes züchten?
Mittlerweile wohnt die Mehrheit der Menschen in städtischen Gebieten und es werden immer mehr. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse haben lange Transportwege und hohe Kosten hinter sich, bis sie an ihrem Ziel ankommen. Die Nahrungsmittelerzeugung näher an die Ballungszentren zu verlegen und damit den umwelt belastenden Transport maßgeblich zu verringern scheint daher sinnvoll. Aus diesem Grund befinden sich die meisten Vertical Farmen in oder in unmittelbarer Nähe von Großstädten. Hinzu kommt, dass diese Technik einen Anbau in Regionen mit schlechten klimatischen Bedingungen ermöglicht.

Zudem werden bis 2050 voraussichtlich nicht mehr, wie aktuell, sieben Milliarden sondern über neun Milliarden Menschen auf der Welt leben und Nahrung benötigen. D.h. Bis 2050 werden zwei drittel, also 70%, mehr Nahrung benötigt. Dazu muss sich die Agrarproduktion steigern indem Wasser, fruchtbare Böden und die Artenvielfalt effektiver genutzt und erhalten werden. Aktuell gehen weltweit bis zu zwölf Millionen Hektar Agrarfläche durch z.B. Straßen- und Städtebau oder Überweidung verloren.* Mit Vertical Farming können ganzjährig und saisonunabhängig Pflanzen produziert werden. Das Entfallen der weiten Transporte führt außerdem dazu, dass es weniger Verluste der Ernte entlang der Supply Chain gibt.

Des Weiteren leidet die Umwelt sehr unter der kommerziellen Landwirtschaft. Infolge der intensiven Landnutzung, sinkt die Fruchtbarkeit des Bodens. Außerdem wird in der Landwirtschaft viel stickstoffhaltiger Dünger verwendet, der die Umwelt schädigt. Der Teil des Düngers, der nicht durch die Pflanzen aufgenommen wird, wird durch Grund- und Oberflächengewässer oder der Luft ausgetragen. So kann dies negative Auswirkungen auf die Qualität des Grundwassers haben und die Biodiversität beeinträchtigen. Auch das Klima wird in Form von Lachgas, das als Folge der Überdüngung entsteht, negativ beeinträchtigt werden. So hatte 2014 die Landwirtschaft einen Anteil von 24% an den globalen Treibhausgasen. In Deutschland wird ca. 50% der Gesamtfläche für Landwirtschaft genutzt, die 2016 7,3% zu den deutschen Treibhausgasemissionen beitrug. Da Vertical Farming “indoor” stattfindet und die Pflanzen ihre Nährstoffe und Wasser über einen Kreislauf aufnehmen, werden die Überschüsse aufgefangen und können wieder verwendet werden. So wird die Umwelt nicht durch überschüssigen Dünger und intensive Landnutzung belastet. Des Weiteren kann bis zu 90% Wasser gespart werden und es werden aufgrund des in sich geschlossenen Systems keine Pestizide und Pflanzenschutzmittel verwendet.

Warum Pflanzen nicht in High-Tech-Farmen gezüchtet werden sollten:

Natürlich gibt es zu dieser Thematik auch Stimmen, die sich gegen eine solche Pflanzenzüchtung aussprechen. Die will ich euch nicht vorenthalten.

Ein großer Nachteil ist der hohe Energieverbrauch, der bei einer solchen Farm anfällt. Sowohl für den Betrieb, als auch für den Bau der Farm werden hohe Mengen an Energie benötigt und verbraucht. Bei der kommerziellen Landwirtschaft hingegen gibt es Licht umsonst. Außerdem werden bisher die Lebensmittel von mehreren Betrieben zur Verfügung gestellt. Würde hingegen die Lebensmittelversorgung einer Stadt von einigen wenigen Vertical Farmen sichergestellt werden, so schafft dieses eine große essentielle Abhängigkeit. Stromausfall oder Krankheit könnten zu großen Ertragsausfällen führen und die Lebensmittelversorgung ganzer Städte beeinträchtigen.

Eine weitere Frage, die bei Vertical Farming auftritt, ist die vermeintliche Sauberkeit des Systems in dem die Pflanzen wachsen. Allgemein werden die hohen Hygienestandards unserer Gesellschaft oftmals als Grund für die immer größer werdende Anzahl an Autoimmunerkrankungen und Allergien gesehen. Die vermeintlich sauberen Pflanzen, die in einem Vertical Farming System wachsen, könnten daher langfristig schädigend für unser Immunsystem sein, da sie unser Immunsystem nicht fordern und es auf Dauer nicht gefördert wird.

Wie wirkt sich das aufs Essen aus?
Da es sich bei dem Indoor Verticalen Farming um ein geschlossenes System handelt, werden keine Pestizide benötigt, die wir somit auch nicht aufnehmen. Außerdem fallen die langen Transportwege weg und das Gemüse kommt frischer beim Verbraucher an. Bei Infarm z.B. wird das Gemüse direkt im Supermarkt geerntet. Auch kann durch verschiedene Beleuchtungsmöglichkeiten der Geschmack variiert werden. Des Weiteren machen die hightech Farmen es möglich, in unseren Breitengraden Kräuter, Früchte und Gemüse anzubauen, die hier normalerweise nicht wachsen würden und somit nicht verfügbar sind oder durch den langen Transport an Geschmack verlieren.

Andererseits ist die Frage inwiefern sich diese “sauberen” Pflanzen negativ auf unser Immunsystem auswirken, noch nicht geklärt. Das wirkt sich zwar nicht direkt auf den Geschmack aus, sollte aber langfristig in Betracht gezogen werden.

Jetzt seid ihr dran…

Wenn ihr daran interessiert seid, Erzeugnisse aus Vertical Farming zu probieren oder sogar selbst eine kleine Vertical Farm anzulegen, dann gibt es hier eine hilfreiche Liste mit Beispielen und Links:

  • Infarm – Hier findest du heraus wo INFARM vertreten ist: https://infarm.com/find-us/
  • ECF Farm – hier wird mit Aquaponic gearbeitet und gleichzeitig Fische bzw. Barsche gezüchtet: http://www.ecf-farm.de/

Falls ihr eure Pflanzen in eurer eigenen kleinen Vertical Farm züchten wollt:

  • IKEA – für eure eigene Farm: https://www.ikea.com/gb/en/products/indoor-gardening/
  • Yard Cube – baut eure eigenen exotische Kräuter an, ohne weiteres zutun: https://yard.ag/
  • Click & Grow https://eu.clickandgrow.com/collections/products

Also auf in den nächsten Supermarkt mit eigener Indoor Farm oder baut euch eure eigene kleine Vertical Farm. Ob komplett DIY oder einfach nur selbst aufgebaut!

Fazit
Ich stehe wieder im Supermarkt und erneut lacht mich der leuchtende Kasten aus der Gemüseabteilung an. Dieses Mal weiß ich Bescheid! Über die Vorteile, aber auch die Nachteile. Ich packe den Sci-Fi-Basilikum ein, denn die Vorteile haben mich überzeugt. Aber trotzdem werde ich die Entwicklung weiter im Auge behalten. Wie wird sich das saubere Gemüse langfristig auf mich und meine Gesundheit auswirken? Diese Frage hätte ich gerne beantwortet bevor alles aus diesem leuchtenden Kasten kommt. Auch inwiefern Gemüse aus einer Vertical Farm umweltfreundlicher als Gemüse vom Feld ist. Es hängt sicherlich davon ab, wie weit das Feld entfernt ist. Ob das Feld in Chile oder doch nur 50km entfernt ist.

Trotz allem ist es sicherlich beruhigend zu wissen, dass es Alternativen zu herkömmlichen Anbaumethoden gibt, falls diese nicht mehr ausreichend sind!

 

*Die aktuelle Lebensmittelproduktion ist zwar mehr als ausreichend um alle Menschen mit Nahrungsmitteln zu versorgen, dennoch hungern Millionen von Menschen aufgrund von z.B. Armut oder Krieg. Eine bessere Verteilung allein würde aber nicht reichen, um die steigende Zahl der Weltbevölkerung mit ausreichend Nahrungsmitteln zu versorgen.

Quellen:
https://www.iao.fraunhofer.de/lang-de/presse-und-medien/aktuelles/2064-nahrungsmittel-fuer-die-stadt-aus-der-stadt.html
https://reset.org/knowledge/urban-gardening-mit-gaerten-die-welt-veraendern
https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/umweltbelastungen-der-landwirtschaft/stickstoff#textpart-1
https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/umweltbelastungen-der-landwirtschaft/duengemittel#textpart-1
https://www.umweltbundesamt.de/themen/zu-viel-duenger-schadet
https://www.tagesschau.de/klima/hintergruende/klimalandwirtschaft100.html
https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Klimaschutz/klimaschutz_in_zahlen_landwirtschaft_bf.pdf
https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Klimaschutz/treibhausgasemissionen_deutschland_2014_bf.pdf
https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/umweltbelastungen-der-landwirtschaft
https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Welternaehrung-verstehen.pdf?__blob=publicationFile
https://reset.org/knowledge/vertical-farming-%E2%80%93-kommt-unser-obst-und-gemuese-zukunft-aus-der-Verticalen-farm-12112018
https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/umweltbelastungen-der-landwirtschaft

Neun gute Argumente gegen Vertical Farming

Müllsystem – Kreislauf oder Zirkus?

Einführung
Das Altglas türmt sich in einer Ecke in der Küche, keiner hat Lust den Biomüll zur Biotonne zu bringen und zahlreiche gelbe Säcke stapeln sich im Keller, bereit dafür, auf die Straße gestellt und endlich abgeholt zu werden. So oder so ähnlich sieht es in vielen Haushalten aus. Manchmal fragt sich der ein oder die andere, was dieser ganze Mülltrennungs-Heckmeck eigentlich soll. Warum das Altglas zum Glascontainer schleppen, jedes Glas sortieren? Wird doch am Ende eh alles zusammengeschmissen, oder?

Seit über 25 Jahren wird in Deutschland der Abfall in gelben Sack, Altpapier, Restmüll, Biomüll und Altglas unterschieden. Was genau in welche Tonne gehört, darüber verlieren viele den Überblick. Darüber was mit dem Abfall nach dem Abtransport passiert sowieso. Außerdem schwindet das Vertrauen in die Abfallsysteme, denn Gerüchte darüber, dass am Ende eh alles zusammengekippt wird, was vorher sorgfältig getrennt wurde, halten sich hartnäckig. Die hohen Recyclingquoten werden in Frage gestellt und was ist eigentlich mit dem Export von Abfall? Wenn Deutschland so gut im Recycling ist, wieso wird denn dann exportiert?

Um dieses Thema ranken sich immer mehr Mythen, die im folgenden Artikel genauer unter die Lupe genommen werden. Nachdem ihr diesen Artikel gelesen habt, wisst ihr was in welche Tonne gehört und was damit passiert.

Aber erstmal zur Geschichte der Mülltrennung und den verschiedenen Tonnen, was hinein gehört und was mit dem Abfall passiert nachdem wir ihn entsorgt haben.

Geschichte der Mülltrennung im Schnelldurchlauf
In den 1970ern wurden die ersten Glascontainer aufgestellt. Mitte der 80er folgten die ersten Altpapiercontainer. Der Rest landet in den meisten Fällen auf lokalen Mülldeponien. Um die wachsenden Müllberge in den Griff zu bekommen, wird 1991 die neue Verpackungsverordnung verabschiedet. Ab dort beginnt die Zeit der Mülltrennung in Deutschland, wie wir sie heute kennen. Neben dem öffentlich-rechtlichen Abfallsystem wird ein zweites (duales) Abfallentsorgungssystem eingeführt – der gelbe Sack/die gelbe Tonne. Folglich wird nun zwischen Gelber Sack, Altpapier, Restmüll, Biomüll und Altglas unterschieden und diese in den entsprechenden Tonnen entsorgt. In den Gelben Sack darf aber nur, was mit einem Grünen Punkt versehen ist, denn Hersteller werden durch die Verpackungsordnung dazu verpflichtet, ihre Verpackungen zu recyceln und dafür die Kosten zu tragen. Das funktioniert indem die Verpackungshersteller eine Lizenzgebühr für den Grünen Punkt an das Duale System Deutschland (DSD) bezahlen. Dieses beauftragt wiederum Abfallunternehmen, die Verpackungen mit dem Grünen Punkt einzusammeln, zu sortieren und zu verwerten. Dieser Prozess wird aus den Lizenzeinnahmen finanziert.Die extra Kosten, die durch die Lizenzgebühr entstehen, werden auf die Preise der Produkte draufgeschlagen. Somit werden die Kosten für die Lizenz letztendlich auf die Verbraucher umgelegt. Die Produkte mit dem Grünen Punkt werden in dem kostenlos zur Verfügung gestellten Gelben Sack bzw. in der gelben Tonne gesammelt. Mittlerweile hat sich die Monopolstellung von dem Grünen Punkt aufgelöst und es gibt weitere Entsorgungsunternehmen für das duale System. Es können also auch Verpackungen im gelben Sack entsorgt werden, die keinen Grünen Punkt haben.


Quelle:https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCner_Punkt_(Deutschland)#/media/File:Der_Gr%C3%BCne_Punkt.svg

Die verschiedenen Wege des Mülls
Nun trennen wir alle fleißig. Aber was passiert mit dem akribisch getrennten Müll wenn er dann abgeholt wurde? Was ist dran an dem Gerücht, dass am Ende eh alles nur zusammengekippt wird? Grundsätzlich gibt es verschiedene Wege, die unser Müll gehen kann, wenn wir ihn aus der Hand gegeben haben. Die am wenigsten klimafreundliche Option ist die Mülldeponie. Giftige Stoffe können in den Boden sickern oder der Müll sondert klimaschädigende Gase wie Methan ab. Eine weitere Option ist die thermische Verwertung. Das bedeutet, dass der Abfall verbrannt und daraus Energie gewonnen wird. Die dritte Möglichkeit ist das Recycling – die Wiederverwertung. So soll der Wertstoff aufbereitet und wieder zurück in den Kreislauf geführt werden. Manche Materialien eigenen sich dafür besser als andere. Besser eignen bedeutet in diesem Kontext, dass diese mit einem geringen Qualitätsverlust wiederverwertet werden können.

Welcher Abfall wo hineingehört und was damit eigentlich passiert erkläre ich euch jetzt:

Gelbe(r) Sack/Tonne
In dem gelben Sack/ in der gelben Tonne wird Verpackungsmüll gesammelt. Dazu gehören Leichtverpackungen (LVP), d.h. Verpackungen aus Kunststoff, Aluminium, Weißblech oder Verbundmaterialien wie Getränkekartons. Nachdem der Verpackungsmüll abgeholt wird, wird er in einer Anlage nach Materialart sortiert. Dafür gibt es verschiedene Methoden wie z.B. das Schwimm-/Sink-Verfahren oder Infrarot. Nachsortiert wird dann meist von Hand, weil die Maschinen nicht alles detektieren können. Aus einem Teil der sortierten Materialien entsteht Granulat, das anschließend weiterverarbeitet werden kann. Allerdings mit Einschränkungen. So kann aus hygienischen Gründen aus recyceltem Kunststoff keine neue Lebensmittelverpackungen entstehen. Der andere Teil, der nicht wiederverwertet wird – das macht in etwa die Hälfte aller Verpackungen aus-, wird verbrannt. Das liegt einerseits an Fehlwürfen, d.h. Dinge die eigentlich in eine andere Tonne gehören und andererseits an den Verbundmaterialien. Viele Verpackungen bestehen aus mehreren Materialien und ein Trennen und Recyceln wäre daher zu zeitaufwendig und teuer. Wie dies in die Recyclingquoten mit einfließt werdet ihr im weiteren Verlauf erfahren.

Faustregel: Im gelben Sack werden alle Leichtverpackungen gesammelt, d.h. Verpackungen aus Kunststoff, Aluminium, Weißblech oder Verbundmaterialien wie Getränkekartons. Oder aber auch alle Verpackungen, die nicht aus Papier oder Glas sind.

Beispiele:
Plastikbecher
Wurst-, Käse- und Eisverpackung
Konservendosen
Getränkekartons
Styroporverpackungen
Zahnpastatuben, Shampooflaschen, Spraydosen
Kronkorken von Flaschen

Biomüll
Unser Abfall aus der Biotonne landet in der Regel in Biovergärungsanlagen oder in einer Kompostierungsanlage. Bei der Vergärung des Bioabfalls wird Biogas gewonnen. Dies kann dann unterschiedlich verwendet werden. Nach dem Vergärungsprozess wird der Gärrest meistens entwässert. Dies kann als Kompost an Landschaftsgärtnereien, Privathaushalte oder Weinbaubetriebe verkauft werden. Bevor aber der Vergärungsprozess in Gang gesetzt werden kann, muss der Biomüll vorbehandelt werden. Die Störstoffe sollen dabei rausgefiltert werden. Logischerweise sind die Entsorgungskosten höher (durch den höheren Sortierungsaufwand) und die Qualität des Materials schlechter, desto mehr Störstoffe in dem Abfall vorhanden sind. In der Kompostierungsanlage beginnt der Abfall sich unter hohen Temperaturen zu zersetzen. Während der Nachrottephase bildet sich Humus und das Kompostgut stabilisiert sich biologisch. Komposte können sich qualitativ unterscheiden.

Fun Fact: In einer Bananenschale steckt genügend Energie, um eine 11-Watt-Lampe 34 Minuten mit Strom zu versorgen.

Faustregel: In die Biotonne kommen die Abfälle tierischen und pflanzlichen Ursprungs.

Beispiele:
Obst-, Gemüse- und Pflanzenreste
Fisch-und Fleischreste
Brotreste
Tee- und Kaffeefilter

Papiermüll
Das erste recycelte Papier war im Vergleich zu Papier aus Frischfasern, d.h. aus Holz, grau und hässlich. Doch die Techniken wurden immer besser und heute ist das recycelte Papier kaum mehr von nicht recyceltem Papier unterscheidbar. Bei der Herstellung von Recyclingpapier wird, im Vergleich zur Herstellung von Papier aus Holzfasern, 60% Energie und bis zu 70% Wasser gespart. Auch stammt das recycelte Papier oftmals aus Deutschland und verringert somit die Transportwege erheblich. Hinzu kommt, dass bei recyceltem Papier weniger Chemikalien und die Abwasserbelastung bis zu zehnmal niedriger als bei der Produktion von Frischfaserpapier ist. Das Altpapier wird zunächst in einer Anlage sortiert um alle Störstoffe zu entfernen. Danach wird es in Ballen gepresst und zu einer Papierfabrik transportiert, wo es dann weiterverarbeitet wird. In der Papierfabrik wird es zunächst in Wasser aufgelöst, damit sich die Fasern lösen. Dabei entsteht ein Papierbrei, der nochmals gereinigt wird um Fremdstoffe zu entfernen, die in der Sortieranlage nicht erfasst wurden. Wenn weißes Papier, auch grafisches Papier genannt, hergestellt werden soll, wird die Druckfarbe mit Hilfe von Natronlauge und Seife entfernt. Danach wird der Papierbrei auf ein Sieb weitergeleitet, sodass das Wasser abfließen kann und sich die Fasern verbinden können. Abschließend wird der Stoff von Walzen zu einer Papierbahn gepresst und getrocknet. Bei jedem Recycling werden die Papierfasern kürzer, bis sie sich irgendwann nicht zu festem Papier verbinden lassen. Deshalb muss je nach gewünschtem Endergebnis ein Anteil an frischen Fasern hinzu gemischt werden. Pappe oder Zeitungspapier besteht zum Beispiel aus nahezu 100% Recyclingmaterial. Papier lässt sich bis zu sechsmal recyceln. Danach sind die Zellulosefasern nicht mehr lang und das Papier ist nicht mehr fest genug.

Faustregel: Prinzipiell gehören Papier und Pappe in die blaue Tonne. Beschichtetes oder verschmutztes Papier gehören allerdings nicht in diese Tonne.

Beispiele:
Zeitungen,Zeitschriften, Kartons, Pappe
Verpackungen aus Papier
Bücher, Hefte, Schreibpapier

Um sicher zu gehen, dass du recyceltes Papier kaufst, kannst du auf die folgenden Siegel achten:

Der Blaue Engel ist das bekannteste Siegel in Deutschland. Du findest dieses Logo auf vielen alltäglichen Produkten wie Schreibheften oder aber auch Klopapier. Besonders bei Hygienepapieren sollte darauf geachtet werden, dass es sich um Recyclingpapier handelt, da diese nicht wiederverwertet werden können.

UWS-Papier kommt, im Gegensatz zu herkömmlichem Recyclingpapier, ohne De-Inking und Bleiche aus und ist daher besonders umweltfreundlich. Meistens ist dieses Papier nur in gut sortierten Schreibwarenläden, Bioläden oder im Großhandel zu finden.

Altglas
Glas kann komplett und unendlich oft ohne Qualitätsverlust recycelt werden. Damit das möglich ist, ist es wichtig, dass das Glas sortenrein ist. Das bedeutet, dass Glas nach Farbe getrennt wird. Getrennt wird zwischen weißem, grünem und braunem Glas. Blaues oder andersfarbiges Glas gehört in den Container für grünes Glas. Deckel müssen übrigens auch nicht mehr abgeschraubt werden. Dank eines Magneten können diese später einfach aussortiert werden. Allerdings gehört nicht jede Art von Glas in den Altglas Container. Fensterglas oder kaputte Trinkgläser z.B. haben in einem Altglas Container nichts zu suchen. Das liegt daran, dass diese eine andere Glaszusammensetzung haben und den Schmelzprozess stören würden. Zusammen mit Papier hat Glas die höchste Recyclingquote unter den Siedlungsabfällen. Beim Recyceln von Altglas wird es, nach dem Sammeln und Befreien von Störstoffen, zu Glasscherben zerkleinert. Anschließend wird es nochmals von Papier und Metallen befreit und gesiebt. Darauf folgt das Umschmelzen in einem Hochofen und Umformen zu neuen Formen wie z.B. Glasflaschen.


Quelle: https://www.bsr.de/glas-20222.php

Das Gerücht, dass z.B. das Altglas im Container zusammen geschüttet wird, besteht weiterhin. Und wenn man sich mal das Prozedere beim Abtransport des Altglas anschaut, dann erscheint das auf den ersten Blick auch erstmal logisch. Was viele nicht wissen, ist, auch wenn es so aussieht als würde alles zusammen gekippt werden, so haben die Mülltransporter getrennte Kammern. Die Trennung bleibt also weiterhin erhalten.

Faustregel: In das Altglas gehört Glas, das als Verpackung diente.

Beispiele:
Getränkeflaschen
Konservenglas
Flakons aus Glas

Restmüll
Der Restmüll wird thermisch verwertet, d.h. verbrannt. Dabei können in der Regel nur Metalle zurückgewonnen werden.

Faustregel: Hier gehört alles hinein, was sich nicht recyceln lässt.

Beispiele:
Hygieneartikel
Porzellan
Tapeten- und Teppichreste
Zigarettenstummel
Asche
Fensterglasscherben

Ich hoffe jetzt habt ihr einen guten Überblick darüber, was wo hinein gehört und was mit eurem Abfall passiert. Aber trotz der ganzen Mülltrennerei und den heutigen Recyclingmethoden ist Müllvermeidung noch immer die umweltschonendste Methode. Deshalb ist die Reihenfolge, in der ihr Müllvermeidung, Mülltrennung etc. betrachtet, sehr wichtig. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz, das im folgenden Absatz erläutert wird, hält diesen Aspekt fest.

Abfallhierachie
Vor etwa 60 Jahren wurden die meisten Siedlungsabfälle noch auf lokalen Müllkippen entsorgt. Seitdem ist viel passiert und die Abfallwirtschaft bewegt sich mehr hin zu einer Kreislaufwirtschaft. Trotz des heutigen Recyclingsystems und der Möglichkeiten Stoffe wiederzuverwerten sollte vielmehr darauf geachtet werden, Abfall zu vermeiden. Der unvermeidbare Abfall kann dann gemäß dem Recycling entsorgt werden. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz aus dem Jahre 2012 hält folgende Reihenfolge fest:

Vermeidung
Vorbereitung zur Wiederverwertung
Recycling (stoffliche Verwertung)
Sonstige Verwertung
Beseitigung

Recyclingquoten
Die hohen Recyclingquoten in Deutschland sind vielversprechend. Allerdings sind diese mit Vorsicht zu genießen, denn, als recycelt gilt all derjenige Abfall der in eine Recyclinganlage transportiert wird. Wieviel während des Recyclings aussortiert und verbrannt oder exportiert wird, wird nicht mit einberechnet. So kommt das statistische Bundesamt auf eine Recyclingquote vom Siedlungsabfall von 67%. Die Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft e.V. (DGAW) berechnet hingegen nur , wieviel tatsächlich in der Wirtschaft oder Landwirtschaft wiederverwertet wird und kommt so auf eine Quote von 38 – 40%.


Quelle: http://www.bpb.de/apuz/281497/was-passiert-mit-unserem-muell?p=all#footnode3-3


Quelle:http://www.spiegel.de/wirtschaft/muell-wieviel-plastik-abfall-erzeugt-jeder-deutsche-und-geht-es-auch-ohne-a-1207303.html

Müllexport
Zwar müssen die Abfallsysteme nachweisen, dass der Abfall verwertet wurde, allerdings nicht wo. Und so kommen wir zum Thema Abfallexport. Nach Untersuchungen des Umweltbundesamtes wurden 2016 von den ca. 3,1 Millionen Tonnen Verpackungsabfällen aus Kunststoff etwa 10,5%, also 327.500 Tonnen exportiert und im Ausland verwertet. Wohin genau exportiert wird, darüber wird in der Regel nicht informiert. Allerdings war China lange Zeit ein Hauptabnehmer der Kunststoffabfälle aus Deutschland. Anfang 2018 setzte China diesem Import durch Lizenzentziehungen und strenge Vorgaben einen Riegel vor, sodass dieses einem Importstopp gleich kam. Das Problematische an dem Müllexport in andere Länder wie z.B. China ist, dass dort oftmals niedrigere Umweltstandards herrschen als in Deutschland. Ein Teil gelangte in der Vergangenheit in die Umwelt und verschmutzte diese. Das dieser Anteil trotzdem in die Recyclingquote mit einfloss/einfließt erklärt warum das Vertrauen in das Recyclingsystem sinkt.

Der Müll der Bislang nach China exportiert wurde, wurde, im Zuge des Importstopp seitens China, nun in andere asiatische Länder wie z.B. Vietnam und der Türkei exportiert. Der Müllzirkus geht also weiter!

(© Destatis; Europäischer Wirtschaftsdienst GmbH)
Quelle: http://www.bpb.de/apuz/281497/was-passiert-mit-unserem-muell?p=all#footnode3-3

Fazit und warum wir weiterhin Müll sortieren sollten
Trotz Abfallexporte nach Unbekannt und fragwürdigen Recyclingquoten, sollte der Abfall weiterhin getrennt werden. Denn um aus dem Hausabfall ein hochwertiges Recyclingmaterial herzustellen muss der Müll möglichst “sauber” bzw. wenig verschmutzt sein. Das bedeutet z.B. im Falle eines Joghurtbechers, dass dieser löffelrein sein aber nicht nochmal extra gespült werden sollte. Ein halb voller Joghurtbecher würde allerdings aussortiert werden. Aus diesem Grund beginnt ein effizienter Recyclingprozess schon im eigenen Haushalt. Würde zum Beispiel Kunststoff mit Restmüll gemischt werden, dann würde der Kunststoff zu sehr durch Essensreste oder Windeln etc. verschmutzt werden. Papier muss für das Recyceln trocken bleiben, was es im Gemisch mit anderen Abfallarten nicht bleiben würde. Würde Glas nicht getrennt werden, würde es das andere Material zerstören und dessen Recycling behindern.

Auch wenn es Sortieranlagen gibt, können diese nicht so gut trennen wie Menschen. Einzelne Fehlwürfe oder Störstoffe sind kein Problem, allerdings sollte dies bei Ausnahmen bleiben. Der Recyclingprozess dauert sonst länger und verursacht höhere Kosten. Diese Kosten landen im Endeffekt wieder bei den Bürgern oder der Umwelt.
Zusätzlich zum Recyceln, sollten wir die Abfallhierarchie beachten, also Abfall so gut wie möglich vermeiden. Verbundwerkstoffe bei Verpackungen wie z.B. Chipstüten sollten statt immer komplexer, simpler designed werden, sodass die Materialien wiederverwertet statt verbrannt werden können. Bis dahin sollten wir versuchen solche Produkte zu meiden und unsere Augen für recycelte Produkte offen halten.

Eine Recyclingquote von 67% hört sich gut an, aber leider ist auf diese Zahlen kein Verlass. Denn auch in in der Abfallbranche wird getrickst und mit Zahlen jongliert, bis diese ein schönes Bild ergeben. Derweil stapelt sich Altglas in der Küche, gelbe Säcke im Keller und der Biomüll brütet vor sich hin. Das lässt sich leider nicht beschönigen und lässt den einen oder die andere am deutschen Abfallsystem zweifeln. Die Umkehrseite wäre allerdings, dass das Abfallsystem teurer und mehr Müll exportiert oder verbrannt wird. Deshalb gilt weiterhin die Devise: Müll vermeiden, trennen, wiederverwerten und hoffen, dass bald genug Kapazitäten vorhanden sind, um hohe Recyclingquoten zu erreichen, ohne thermische Verwertung und Abfallexporte!

Quellen:
https://www.greenpeace-magazin.de/der-muell-und-die-mythen
https://www.gruener-punkt.de/de/muelltrennung-muell-trennen.html
https://www.duh.de/projekte/wertstoffgesetz/
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/mehr-recycling-in-deutschland-1507858
https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/abfall-und-recycling/recycling/21113.html
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3888.pdf
https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/abfall-und-recycling/20810.html
utopia.de/ratgeber/papier-recycling-wie-es-funktioniert-und-was-aus-dem-papier-wird
https://www.wissen.de/raetsel/wie-entsteht-recyclingpapier
https://www.bsr.de/glas-20222.php
https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/glas-altglas#textpart-6
https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/altpapier#textpart-4
https://www.wissen.de/raetsel/wie-entsteht-recyclingpapier
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/abfall/muell-richtig-trennen-gelber-sack-restmuell-papier-oder-wohin-sonst-10580
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/mehr-recycling-in-deutschland-1507858
http://www.spiegel.de/wirtschaft/muell-wieviel-plastik-abfall-erzeugt-jeder-deutsche-und-geht-es-auch-ohne-a-1207303.html
http://www.bpb.de/apuz/281497/was-passiert-mit-unserem-muell?p=all#footnode3-3
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/publikationen/uba_abfall_web.pDf
https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/alltagsprodukte/19838.html
https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/abfall-und-recycling/bioabfall/23033.html
https://www.greenpeace.de/themen/waelder/schutzgebiete/woran-erkennt-man-umweltfreundliches-papier
https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/haushalt-wohnen/papier-recyclingpapier#textpart-2

Geplante Obsoleszenz – Wie könnt ihr diese Produkte umgehen

Geschrieben von Miriam

Omas Mixer funktioniert noch immer einwandfrei und der eigene, den man vor gar nicht allzu langer Zeit gekauft hat, gibt schon den Geist auf. Wie kann das sein? War früher prinzipiell einfach alles besser oder steckt dahinter Methode?


So oder so ähnlich beginnen viele Artikel, die sich mit dem Thema geplante Obsoleszenz auseinandersetzen. Zu Recht, denn so beginnt auch der Prozess vieler Verbraucher, ihre Produkte und deren Lebensdauer und infolgedessen deren Hersteller in Frage zu stellen.

Die Fragenden landen letztendlich bei dem Begriff “geplante Obsoleszenz”, denn dieser  ist in aller Munde und wird breit in der Öffentlichkeit diskutiert.

In diesem Artikel möchte ich euch eine kleine Einführung zu diesem Thema geben, zwei verschiedene Seiten dieser Debatte darstellen und eine praktische Checkliste mit ein paar Tipps zusammenstellen, die wir alle ganz einfach bei unserem nächsten Kauf anwenden können.

Aber zuerst einmal sollten wir die allgemeinen Begrifflichkeiten klären. Was genau bedeutet (geplante) Obsoleszenz eigentlich?

 

Bedeutung Obsoleszenz

Bei Obsoleszenz handelt es sich um den natürlichen oder künstlich herbeigeführten Alterungsprozess eines Gebrauchsgegenstandes. Diese Alterung unterliegt vier verschiedenen Ursachen:

Folglich kann das Produkt nicht mehr genutzt werden.

 

Geplante Obsoleszenz

Bei der geplanten Obsoleszenz ist in diesem Kontext eine absichtliche Verkürzung der Lebensdauer seitens der Hersteller gemeint. Unterstellt wird also eine beabsichtigte Herbeiführung der verschiedenen Formen des Alterns. Das soll dazu führen, dass die Verbraucher schneller ein neues Produkt kaufen. In der Debatte wird angenommen, dass die Hersteller diese Obsoleszenz so geplant haben, dass sie erst nach Ablauf der Garantie eintritt.

 

Die Glühbirnen-Geschichte

Im Rahmen der Obsoleszenz Debatte wird die Geschichte der “ewigen Glühbirne” oftmals angeführt und darf hier natürlich nicht fehlen. Diese berühmte Glühbirne, wurde um 1900 entwickelt und brennt seit über 100 Jahren in einer Feuerwehrwache in der Nähe von San Francisco. In den 1920er Jahre haben sich dann große Hersteller zu einem Glühbirnen Kartell zusammengeschlossen und die Laufzeit einer solcher Glühbirne auf 1000 Stunden reduziert. Unternehmen, deren Glühbirnen länger hielten mussten hohe Geldstrafen zahlen.  Durch die kürzere Lebensdauer wurde die Nachfrage neuer Produkte angekurbelt und die Hersteller rieben sich die Hände. Dieses Kartell wurde im Jahre 1942 entlarvt und aufgelöst. Gerüchten zufolge soll es dennoch nach wie vor existieren. Denn eine Glühbirne hält noch immer ca. 1000 Stunden…

 

Zurück zur Gegenwart

Soll ein Defekt eines Produktes unter geplante Obsoleszenz fallen, müsste laut Theorie ein Ablaufdatum, wie z.B. bei Lebensmitteln das Mindesthaltbarkeitsdatum, vorab festgelegt sein. Der Hersteller müsste diese Schwachstelle also arglistig geplant haben. Aber wie kann das bewiesen werden? Das ist so ziemlich der Knackpunkt bei dieser Debatte. Ein genau festgelegtes Datum, an dem Mixer und Co. den Geist aufgeben, gibt es nicht. Bedeutet das nun, dass es auch geplante Obsoleszenz nicht gibt?

Durch bestimmte Produktkriterien kann trotzdem aufgezeigt werden, dass einige Hersteller gegen lange Produkt-Nutzungsdauer arbeiten. Wäre das im Umkehrschluss auch geplante Obsoleszenz? Es muss doch einen Grund dafür geben, dass Omas Mixer noch immer funktioniert und der eigene nach kurzer Zeit unter Elektroschrott fällt.

Heutzutage werden oftmals günstigere Materialien in den Elektrogeräte verbaut. Anstatt, dass das Zahnrad wie früher aus Metall ist, ist es nun aus Hartplastik, dass bei der Nutzung viel schneller abreibt und dazu führt, dass der Mixer kaputt geht. Hinzu kommt, dass viele Elektrogeräte mittlerweile so gebaut werden, dass sie nicht mehr auseinander- und anschließend wieder zusammengebaut werden können. Eine Reparatur ist nicht mehr möglich, obwohl eigentlich nur ein Zahnrad ausgetauscht werden müsste. Das ist nur ein Beispiel dafür. Schnell verschleißendes Material und reparaturunfreundliches bzw. boykottierendes Design liegt in der Verantwortung der Hersteller.

Die psychologische Obsoleszenz wird in den Marketingbüros dieser Welt gepflanzt und gedeiht in den Köpfen der Verbraucher und ist so ein Zusammenspiel beider Parteien. Niemand wird gezwungen alle zwei Jahre ein neues Smartphone zu kaufen – dennoch tun es viele. Konstant wird man mit Werbung, Informationen über die neusten Smartphone-Features usw. bombardiert. Diese Form von Obsoleszenz, von den Verbrauchern mit unterstützt, führt auch dazu, dass ein Smartphone nicht unbedingt dafür ausgelegt ist, mehrere Jahre zu halten.

 

Die Henne-Ei-Frage

Viele Verbraucher nehmen die verkürzte Lebensdauer der Produkte in Kauf. Gab es zuerst die Nachfrage oder das Angebot? Was war zuerst da, die Henne oder das Ei?

In der “geplante-Obsoleszenz-Debatte” haftet dem Begriff meist eine negative und “den Unternehmen” gegenüber eine vorwurfsvolle Grundhaltung an.

Dabei muss sich geplante Obsoleszenz nicht per se schlecht  auf die Produktlebensdauer auswirken. Durch die Planung von Obsoleszenzen kann eben genau das Veraltern verzögert werden mittels z.B. Ersatzteilbevorratung und Wartungszyklen. Die Lebensdauer wird so verlängert. Jede Form von Bereitstellung von Ersatzteilen, Software-Support etc. kann als eine Form der geplanten Obsoleszenz und somit als positiv angesehen werden. Ein Beispiel hierfür, wäre der Service von Tesla. Mit Obsoleszenzfällen wird gerechnet und um denen schnell entgegenwirken zu können, hat das Service-Team stets Zugriff auf die Automodelle und kann so sofort reagieren. Ziel ist sogar, dass sich die Autos bis zu einem gewissen Grad irgendwann selber reparieren.

Daraus folgt, dass geplante Obsoleszenz, je nach Hersteller, zu Verkürzung oder Verlängerung der Lebensdauer eines Produktes führt. Dies sollte bei der Betrachtung von geplanter Obsoleszenz im Hinterkopf behalten werden.

Genauso wie, dass die Hersteller sich nicht zwangsweise arglistig für eine Obsoleszenz entscheiden sondern dass sie ihre Priorität beim Produktdesign auf andere Bereiche legen. Wie z.B. Preis und Ästhetik. Zudem gibt es bei bestimmten schnelllebigen Produkten wie z.B. in der Modeindustrie keine Zeit für Produkttests, um deren Langlebigkeit zu testen. Damit priorisieren Hersteller in bestimmten Branchen andere Bereiche vielmehr und gehen Kompromisse hinsichtlich der Langlebigkeit ein.

Rund um diese Debatte gibt es noch viele offene Fragen und die Nachfrage nach günstigen Produkten ist nach wie vor da.

 

Fazit

Die geplante Obsoleszenz Debatte ist wichtig. Es gibt einige Beispiele, die beweisen, dass da etwas nicht richtig läuft und gemurkst wird. Das sollte beobachtet, angegangen und die Hersteller zur Rechenschaft gezogen werden. Auch die Forderung nach mehr Transparenz für die Verbraucher ist ein logischer Ansatz. So kann jeder, basierend auf Informationen entscheiden und nicht aufgrund von Unwissenheit in die Irre geführt werden.

Aber es Bedarf ebenfalls einer Veränderung im Verhalten der Konsumenten. Studien belegen, dass oftmals die Verbraucher selbst, aufgrund des Wunsches nach neuen Funktionen, Produkte auswechseln, obwohl diese noch einwandfrei funktionieren. Am Ende sind es auch wir, die mit unseren Käufen bestimmen, welche Produkte und Unternehmen wir unterstützen.

 

Wie könnt ihr diese Produkte umgehen

Im folgenden findet ihr Tipps, wie ihr Produkte mit kurzer Nutzungsdauer umgehen könnt:

1. Darauf achten, dass die Geräte reparaturfähig sind.

  • Haben die Gehäuse Schrauben, sodass das Gehäuse aufschraubbar ist?

Sind sie verklebt ist das kein gutes Zeichen.

  • Geräte vermeiden, die nur mit Spezialwerkzeug zu öffnen sind.
  • Ist der Akku austauschbar?

2. Simples Design.

  • Unnötige Extra Features vermeiden, da diese nur eine weitere Reparatur Quelle sein könnten.

3. Vor dem Kauf Testergebnisse oder Bewertungen recherchieren.

  • z.B. Stiftung Warentest oder Kundenbewertungen bei Amazon.

4. Schon beim Kauf nach der Verfügbarkeit von Ersatzteilen fragen.

5. Über professionelle Arbeitsgeräte nachdenken.

  • Bei manchen Geräten gibt es eine Business Variante. Das sind Arbeitsgeräte, die stabiler gebaut und für eine hohe Nutzungsdauer ausgelegt sind. Diese lassen sich häufig einfacher reparieren und werden besser mit Ersatzteilen versorgt. Sie sind meistens etwas teurer aber für eine lange Nutzung lohnt sich die Investition.

6. Falls das Gerät schon kaputt, ist gibt es viele Varianten wie man versuchen kann, diese zu reparieren.

  • Repair Cafes
  • Youtube Videos
  • Falls man noch innerhalb der Garantiezeit ist, Produkt definitiv zurückgeben. Desto mehr Geräte zurückgegeben werden, desto eher wird der Hersteller etwas bezüglich der Qualität tun

 

Quellen:

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geplanter-verschleiss-von-produkten-ploetzlicher-tod-der-gluehbirne-1.1660236

Die zwei Seiten der geplanten Obsoleszenz

Die „Theorie“ geplanter Obsoleszenz als Sackgasse?

https://www.umweltbundesamt.de/service/audio/was-ist-obsoleszenz

https://www.bundestag.de/blob/422156/d95dc2865805a1daf223b3ca3289c8ef/fragen-und-antworten-zu-obsoleszenz-data.pdf

https://www.ardmediathek.de/tv/Planet-Wissen/Geplante-Obsoleszenz-wenn-Ger%C3%A4te-mit-A/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=12994052&documentId=34992064

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geplanter-verschleiss-von-produkten-ploetzlicher-tod-der-gluehbirne-1.1660236

Bilderquellen unbekannt.

Der Aufschwung bei Metallpreisen geht weiter

Metallpreise 2017 im Vergleich

Anfang 2016 berichtete der Verband Deutscher Metallhändler (VDM), dass nur 9 Prozent ihrer Mitglieder eine Verbesserung in der Schrottversorgung erwarteten. In ihrem kürzlich veröffentlichten Geschäftsklimaindex für das zweite Quartal 2017 hat sich die Lage nun sehr verändert. 89 Prozent der befragten Metallhändler bewerten die aktuelle Geschäftslage positiv und 92 Prozent werten ihre Erwartungen an die Geschäftsaussichten als besser oder gleichbleibend im Vergleich zum Vorquartal.

Für den aktuellen Geschäftsklimaindex wurden die Marktversorgung von Alt- und Neumetallen erstmals getrennt abgefragt. Die Versorgung von Schrotten wurde von 89 Prozent und die Versorgung von Neumetallen von 100 Prozent der Befragten als gut oder ausgeglichen bewertet. „Die insgesamt positive Lagebeurteilung führen wir auf die solide konjunkturelle Entwicklung der deutschen Wirtschaft zurück. Das in den zurückliegenden Monaten erreichte stabile Niveau der Metallpreise gibt zudem Planungssicherheit“, erklärt Thomas Reuther, Präsident des VDM.

Anspannung herrscht in der Industrie, wenn es zu den Themen der weltpolitischen Wirtschaftssituation, LKW-Maut und neuen bürokratischen Hürden kommt. Neue Entwicklungen in der chinesischen und US-Wirtschaftspolitik und Brexit können eine Gefahr für den freien Handel darstellen, auf den der Metallhandel angewiesen ist. Die Kosten einer LKW-Maut könnte vor allem für kleine und mittelständische Metallhändler zu einem Problem werden. Mit der im Juni 2017 in Kraft getretenen neuverfassten Entsorgungsfachbetriebeverordnung wurden neue Mindeststandards für die Betriebe festgelegt. Allein für das nicht vollständige Ausfüllen von Formularen müssen Betriebe hier mit Strafen rechnen. All dies lässt in der Industrie Sorge aufkommen.

Trotzdem ist 2017 ein Wachstum in der Metallrecyclingwirtschaft und dem Metallhandel zu beobachten. Nach dem Tief der vergangenen Jahre, bleiben Metallpreise seit Ende 2016 stabil oder steigen weiter an.

Quelle: www.lme.com

Aluminium
Blei
Zink
Januar 1.426,18 € 1.682,32 € 2.139,68 €
Februar 1.525,53 € 1.971,16 € 2.387,02 €
März 1.621,11 € 1.915,82 € 2.406,31 €
April 1.633,27 € 1.916,66 € 2.300,66 €
Mai 1.598,89 € 1.885,64 € 2.212,63 €
Juni 1.617,34 € 1.746,46 € 2.132,98 €
Juli 1.607,28 € 1.913,31 € 2.330,01 €
August 1.581,29 € 1.925,88 € 2.321,62 €

Quelle: www.lme.com

Kupfer
Nickel
Molybdän
Zinn
Januar 4.673,01 € 8.552,02 € 12.366,90 € 17.850,26 €
Februar 4.971,91 € 8.40,11 € 12.366,90 € 16.617,76 €
März 5.062,46 € 9.206,00 € 12.366,90 € 16.202,73 €
April 4.876,75 € 8.350,80 € 12.366,90 € 16.953,13 €
Mai 4.817,64 € 7.948,35 € 13.834,16 € 16.831,56 €
Juni 4.725,41 € 7.399,18 € 14.253,37 € 17.162,74 €
Juli 4.940,89 € 7.851,93 € 12.995,72 € 16.978,25 €
August 5.281,71 € 8.510,10 € 12.995,72 € 17.313,66 €

Trotz der jüngst zu verzeichnenden Ausschläge nach unten, wird vor allem bei Kupfer und Nickel ein weiterer starker Anstieg vermutet. Allen anderen voraus ist allerdings das dem Nickel ähnliche Metall Cobalt oder auch Kobalt. Während die meisten Metalle vom Preis her 2017 recht stabil geblieben sind, konnte bei Cobalt ein besonders hoher Wertanstieg beobachtet werden. Durch die Unverzichtbarkeit dieses Rohstoffs bei der Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus für Elektroautos, hat sich der Preis von Cobalt seit August 2016 mehr als verdoppelt.

Quelle: www.lme.com

Cobalt
August 2016 21.966,87 €
September 20.960,85 €
Oktober 22.847,32 €
November 23.476,15 €
Dezember 24.943,41 €
Januar 2017 27.249,10 €
Februar 31.231,66 €
März 42.550,52 €
April 46.533,08 €
Mai 45.904,25 €
Juni 47.036,14 €
Juli 49.467,59 €
August 47.790,73 €

 

Sie haben noch Metalle oder andere Rohstoffe, die Sie gerne verkaufen würden? Finden Sie bei uns den idealen Schrottplatz oder Schrotthändler in Ihrer Nähe.

 

Quellen:

Maydorn, A., “Kobald-Preise explodieren – mit dieser Aktie verdienen Sie mit!”, Der Aktionär, 10.03.2017, http://www.deraktionaer.de/aktie/kobalt-preise-explodieren—mit-dieser-aktie-verdienen-sie-mit–305700.htm.

“Metallhandel trotzt dem Protektionismus”, lifePR, 05.05.2017, www.lifepr.de.

“Q2/2017: Metallbranche renchnet mti konstantem Aufschwung”, Recycling Portal, 09.05.2017, http://recyclingportal.eu.

“VDM: Metallrecycler beklagen schlechte Geschäftslage”, Recycling Magazin, 22.04.2016, www.recyclingmagazin.de.